| Mithridates II. (Parthien) (121-91 BC) | Link zur Wikipedia |
Hinter den Glanzsteinen unserer Sammlerkabinette befindet sich oft ein Mann, der einem Imperium das Überleben rettete, wo es scheinbar am Abgrund stand. Wir bezeichnen ihn als Mithridates II., König von Parthien und in seiner eigenen Zeit bereits „der Große“. Seine Regierungszeit fiel auf eine dramatische Konjunkturwende für die Arsakiden-Dynastie.
Mithridatos stieg nach dem Tod seines Vaters Artabanos I. zu einer Zeit an, als große Gebiete verloren waren und Babylonien sich vom Reich löste. Dieser Monarch erachtete es jedoch nicht als Ende der Herrschaft, sondern griff zum Gegenangriff. Er unterwarf die Charakene in Mesopotamien und erreichte schnell den Euphrat im Westen sowie Dura Europos im Osten. Diese Wiedereroberung des babylonischen Territoriums markiert einen Wendepunkt: Der Partherstaat behielt seine Großmachtstellung nicht nur bei, sondern dehnte sich erneut nach Zentralasien aus.
Sobald der König jedoch den ersten Blick auf Münzprägestatten wirft, wird deutlich, wie stark er die kulturellen Brücken zwischen Ost und West schlug. In dieser Ära trafen parthische Einflüsse mit griechischer Kultur in Antiochia und dem hellenistischen Erbe zusammen. Mithridates II. setzte sich zudem aktiv zur Wehr gegen chinesische Expansionsbestrebungen von Norden her, was die Seidenstraße als wichtige Handelsroute etablierte.
Für den Numismatiker sind diese Zeitpunkte und Ereignisse nicht nur historisch relevant, sondern bieten einzigartige Einblicke in die Propaganda der Antike. Unter Mithridates II. prägten das Königreich Parthien selbst Münzen mit seinem Bildnis. Er war es auch, der sich als „König von Königen“ bezeichnete – ein Titel, der auf seine Verknüpfung zur alten Achämeniden-Tradition hindeutet und Macht ansiedelte.
Kunsthistorisch sind diese Stücken besonders wertvoll. Während man ihn oft mit Diadem oder Tiara zeigt, variieren die Bärte von kurz bis langwiegend auf verschiedenen Prägungen aus Babylonien. Man sieht zudem griechische Inschriften wie den Beinamen Euergetes („der Wohltäter“) in lateinischer Übersetzung neben der persischen Namensform.
Sammler schätzen diese Artefakte, da sie nicht bloß Zahlungsmittel waren, sondern die erste offizielle Reklamation des Herrschers als legitimer Erbe großer Traditionen darstellten. Sie erzählen von einer Ära politischer Umstrukturierung und kultureller Assimilation an den Grenzen zwischen Persien, Griechenland und China.