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Armenisches Königreich von Kilikien (1080-1375)
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| Armenisches Königreich von Kilikien (1080-1375) | Link zur Wikipedia |
Hinter den Mauern der mittelalterlichen Festungen in Kilikien pulsierte das Herzschlag eines Staates, der eine einzigartige Schnittstelle zwischen Ost und West darstellte. Das Königreich Kleinarmenien entstand aus einem Überlebenskampf, einer Flucht von Armeniern vor dem Niedergang des Reiches Bagratiden im Hochland Armeniens nach seldschukischen Eroberungen unter Sultan Alp Arslan bei Manzikert in den Jahren um 1071. Doch das war mehr als nur eine Flucht; es war die Geburtsstunde einer neuen geopolitischen Identität. Als christliche Bastion inmitten muslimischer Reiche der Seljuken und später Mamluken im Südosten Anatoliens definierte sich dieser Staat nicht durch Isolation, sondern durch seine strategische Positionierung auf den wichtigsten Handelsrouten zwischen dem levantinischen Küstenstreifen, Byzanz und Europa. Diese Lage war entscheidend für die Wirtschaft des Landes.
In Sis entwickelte sich bald eine prosperierende Stadtflora mit einem Port an der Mittelmeerküste oder im Flussdelta Euphratregion, wo Warenströme aus Persien nach Syrien umgeladen wurden. Das Königreich handelte eng mit Kreuzfahrerstaaten wie dem Fürstentum Antiochien und den Herrschaften in Tripolis. Diese Handelsbezüge brachten nicht nur Luxusgüter, sondern auch wirtschaftliche Stabilität für die Armenier ins Land. Während Byzanz oft schwächelnde Kontrolle über diesen Ostteil Anatoliens hatte oder wiederholte Konflikte mit dem römisch-deutschen Reich zu kämpfen hatte, sicherte das armenische Königreich seine Souveränität durch geistreiche Bündnispolitik und Münzprägung.
Das Geldwesen des Landes spiegelt diese politische Ambivalenz wider. Als noch Fürstentum waren die Herrscher, oft als "Herren vom Berge" bezeichnet, eher lokale Machthaber mit begrenztem Bedarf an eigenem Gold- oder Silbergeld; sie nutzten häufig Importmünzen aus Byzanz oder Antiochien für den Zahlungsverkehr im Alltag. Erst 1198 etablierte sich die Königswürde offiziell unter Heinrich VI., was eine neue Phase der monetären Souveränität eröffnete.
Mit dem Anstieg zur Königtumsrangigkeit stieg auch das Prestige des Geldes, um mit den Reichtümern benachbarter Dynastien mithalten zu können. Die Rubeniden und nachfolgenden Hethumiden prägten Silbermünzen in hoher Qualität, oft auf Basis von byzantinischen oder ägyptischen Gewichten, die im gesamten Nahen Osten kursierten.
Eine wichtige Währungsumstellung erfolgte mit der Einbeziehung des lateinisch-katholischen Hauses Lusignan. Guido de Lusignan und später seine Nachfolger brachten neue finanzielle Techniken ein. Diese Zeit markiert einen Übergang in Münzstätten, die sowohl orthodoxe als auch westliche christliche Elemente vereinten. Die Druckqualität stieg, um den Status der armenischen Könige unter Mamlukenherrschaften zu demonstrieren.
Sis war das unangefochtene Zentrum der kaiserlichen Produktion und Verwaltung. Hier wurden Silbermünzen geschlagen, die im Handel von den Grenzen des Roms bis zum Nil akzeptiert waren. Während Sis primär agierte, gab es in anderen Festungen oder nach Eroberungen temporäre Produktionszentren.
Die Prägetechnologie verfeinerte sich mit der Zeit. Frühe Silbermünzen trugen oft noch gotische Einflüsse in den Buchstabenformen oder lateinisches Kreuz, während die Rückseiten weiterhin heilige Figuren zeigten, besonders St. Thaddeus und andere Apostol-Kirchensymbolik.
Für Sammler bieten sich insbesondere Silbermünzen der Rubeniden als historische Dokumente an, die das Wachstum des Staates dokumentieren. Eine wichtige Gruppe sind später ausgeprägte Gold-Dinar-Stücke unter König Hethum II., geprägt in einer Zeit wirtschaftlicher Blüte vor dem Abfall von Mamluken-Einfällen.
Silbermünzen dieser Epoche zeichnen sich durch präzisere Schüring aus. Eine Besonderheit für Sammler ist, dass einige Münzprägen unter den Lusignan-Häusern auch Porträts des Herrschers zeigen, was in Armenien selten war und das lateinische Geldwesen nachahmten.
Sie sind von hohem geschichtswert und repräsentieren eine Brücke zwischen orthodoxen Traditionen und westlichem Münzwesen. Die Legenden auf den Stücken spiegeln oft die christlichen Namen der Könige wider, was in einer Region muslimischer Nachbarn bemerkenswert ist.
Jede geprägte Silberscheibe erzählt eine Geschichte von einem armenischen König im Nahen Osten. Das Münzrecht war ein Symbol der Souveränität, da es dem Staat ermöglichte seine Steuern zu erheben und Handelsgüter zu bezahlen.
Sobald die Lusignan-Kaiser die Krone trugen, erschienen auch ihre Gesichter auf den Münzen. Diese Portraitmünzen sind selten und zeigen wie sich der Armenier westlichen Einflüssen annahm.
Dieses Königreich bietet eine faszinierende Sammlungsmöglichkeit für Liebhaber von mittelalterlichen Numismatik. Die Schätze aus den Jahren 1200 bis 1400 zeigen, wie ein kleiner Staat durch wirtschaftliche Klugheit und politische Kunst über Jahrhunderte bestehen konnte.
Sammler finden hier Stücke mit hoher historischer Tragweite: Münzen von Königen Zabel, Hethum II. oder Leon V., die alle für sich erzählen von einer Zeit des Krieges zwischen Christentümern im Osten gegen Islamische Mächte. Für Auktionsinteressierte sind diese Objekte selten und bieten Einblicke in eine vergangene Ära.