| Licinius II (315-326) | Link zur Wikipedia |
Valerius Licinianus Licinius II., in der numismatischen Forschung oft einfach als Licinius II. bezeichnet, stellt einen faszinierenden Fall innerhalb des späten römischen Tetrarchensystems dar. Als Sohn des ostlichen Augusters stand er zwischen den beiden großen Konfrontationen seiner Zeit: dem Aufstieg seines Großvaters Maternus und dem politischen Ringen mit seinen Vettern im Westen.
Geboren um das Jahr 315, wurde sein Leben von der dynastischen Politik geprägt. Seine Mutter Constantia, eine halbschwester Konstantins des Großen, verband die beiden rivalisierenden Dynastien Constantin und Licinius auf persönlicher Ebene. Doch diese Blütezeit war kurzlebig.
Nach dem Tod seines Vaters 308 hatte Licinius I., der Ostkaiser, den jungen Sohn zunächst zum Caesar (Unterkaiser) im Osten aufgestiegen. Diese Rolle bekräftigte er am 1. März 317 offiziell. Doch die Jahre darauf waren geprägt von Spannungen mit Konstantin dem Großen, der das Westreich kontrollierte.
Licinius II. war zunächst Konsul (319) und wurde später erneut als solcher eingesetzt, was jedoch vom Westkaiser nicht anerkannt wurde. Die politischen Intrigen eskalierten bis zum Bürgerkrieg 324: Sein Vater unterlag Konstantin und starb kurz darauf an den Folgen der Wunde oder im Gefängnis. Der junge Licinius II. hatte Pech; er soll entweder verschont geblieben sein, nur um ein Jahr später ebenfalls zu scheitern – vielleicht als Opfertier für eine Säuberungskampagne in Karthago.
Für den Münzsammler ist Licinius II. von besonderem Interesse, da er auf eigenen Prägungen erscheint, jedoch meist als nomineller Unterkaiser. Seine Porträts finden sich vor allem im Bereich der Denarprägung des Orients (Antiochia) und gelegentlich in Kombination mit denen seines Vaters.
Sammler finden in diesen Stücken nicht nur metallische Artefakte, sondern Zeugen eines brüchigen Friedens im Spätantike. Die Verbindung von Konstantin und Licinius spiegelt sich auf den Münzen wider: Auf einer Seite der Münze steht oft Constantin oder sein Name, während die andere Seite eine Prägung des jungen Licinius zeigt.
Diese kurzen Existenzspannen machen solche Funde besonders wertvoll für Spezialisten. Sie erzählen vom Zerfall eines komplexen Machtgebäudes und wie sich das Imperium Römische von einer Vier-Herrscher-Regierung (Tetrarchie) hin zur Alleinherrschaft bewegte, bevor der Zusammenhalt durch persönliche Eifersucht zerstört wurde.