| Malteserorden (1080 - ) | Link to Wikipedia |
"Ein Staat ohne Landeinsatz."
Dieses Zitat ist weniger eine Beschreibung geographischer Realitäten als vielmehr ein Statement über die einzigartige juristische Konstellation einer der ältesten internationalen Institutionen. Wenn wir uns von den gewöhnlichen Vorstellungen eines Staates lösen, stößt man auf das Souveräne Malteser-Rittertum (Ordem Soberano de Malta). Historisch betrachtet ist es eine Ordnung, deren Ursprünge tief in der Kreuzzugszeit des 12. Jahrhunderts verwurzelt sind und sich durch die Jahrhunderte hindurch als ein leuchtendes Aushängeschild der karitativen Pflicht entwickelte. In seiner aktuellen Form existiert diese Institution seit rund drei Jahrhunderten mit einem Status ähnlich einem Staat, doch ohne territoriale Souveränität im klassischen Sinne.
Faszinierend ist die Entwicklungsgeschichte dieses Ordens: Im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet und später auf Rhodos sowie Malta siedelnd, war er ursprünglich eine kriegerische Bruderschaft, ein geistlicher Ritterorden der Schutzbedürftigen im Orient. Der Name des Ordens schuf sich selbst erst durch die Zeitumstände – zunächst als Hospitaler zu Jerusalem, dann zum Orden vom Heiligen Johannes von Rhodos und schließlich nach dem Abzug 1530 als Orden auf Malta bekannt geworden.
Aber was geschah mit dieser Souveränität? Als die osmanische Flotte unter Ali Pascha im Jahr 1798 Malta eroberte, endete das Regiment des Ordens auf den Inseln. Doch wie jeder gute Sammler weiß: Der Untergang eines Ortes beendet nie zwingend auch seine Geschichte. Das Oberhaupt wurde in Rom bekränzt und die Institution überlebte als „Völkerrechtssubjekt" fortan.
Hier liegt eine besondere Historizität, die für Numismatiker von Interesse ist: Der Orden behielt seinen Staatshaushalt bei Malta bis 1798. Seit dem Abzug der Regierung nach Rom (um 1834) hat er seine Souveränitätsrechte nicht aufgegeben; erst im Jahr 2005 wurden die letzten Rechte des staatlichen Malteserordens an den Staat Malta und das Heilige Stuhl überlassen.
In dieser Hinsicht ist es, als wisse man nie genau: Was zählt mehr der Vergangenheit oder der Gegenwart? Für Sammler interessant sind insbesondere diese Übergangsphasen, da sie oft einen Wechsel im Währungssystem des Ordens bewirkten. Der Orden behielt die Festung St. Angelo auf Malta bis 1965 und konnte sich damit über eine eigene Währungszone freuen.
Jeder staatlich organisierte Orden, der nicht nur als kirchliche Institution existiert hat sondern Völkerrechtsstatus besaß (und das Malteserorden in völkerrechtlicher Hinsicht war), bedurfte auch eines Zahlungsmittels. Im Fall des Ordens handelte es sich jedoch um mehr: Er veranlasste die Ausgabe eigener Münzen, nicht nur als Repräsentationsinstrumente der Macht, sondern auch für den eigenen Handel.
In einer Zeit ohne Zinsgeschäfte war der Orden oft auf seine Währung angewiesen. Das Geldwesen des Ordens entwickelte sich parallel zur Entwicklung seiner territorialen Ausdehnung und zu seinem politischen Einfluss in Europa. In dieser Hinsicht ist die Münzprägung ein Spiegelbild der Machtkonstellation: Wenn das Malteserorden stark ist, werden viele Münzen prächtig geprägt; wenn es schwach ist (wie im 16./17. Jahrhundert), wird man seltene und weniger hochwertige Münzen finden.
Bedeutende Phasen waren vor allem der Beginn des Ordens in Jerusalem – wo erste kleine Bronzemünzprägungen entstanden, aber auch die Epoche auf Malta. Der Orden verfügte über eine eigene Währung (1 Scudo = 12 Tarì = 240 Grani), und umrechnend zur heutigen Euro-Währung liegt das Verhältnis bei rund einem Euro pro vier Skudos.
Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs prägten die Malteser Ritters auch Münzen im eigenen Haus. Erst später, ab den späten fünfziger Jahren bis 1965 (dem Jahr der Aufgabe der Souveränität über Malta), erschienen neue Serien von Silberskudos und -tarì.
Die Währungsreform des Ordens war eng mit dem Abzug aus Italien verbunden: Die italienische Zungen-Organisation wurde im Jahre 2004 offiziell als Nachfolger für das heutige Völkerrechtssubjekt bestätigt. In dieser Hinsicht gab es auch Änderungen bei der Münzprägung.
Bis heute gibt die Geschichte des Ordens eine eigene Prägetradition vor. Die Malteserorden hatte traditionell mehrere Produktionszentren, aber besonders interessant ist ihre Verbindung zur Festungsstadt Valletta auf Malta. Dort prägten Handwerker für den Orden.
Neben der eigentlichen Staatsmünze gab es auch viele kleine Münzen (Kleingeld) im täglichen Handel des Ordens. Diese wurden oft mit einem Doppelkreuz versehen, dem Symbolmaltesers (dem Maltese Cross). Der Kreuz wurde 1530 offiziell vom Orden angenommen und ist bis heute das wichtigste Element in den Wappen.
Die Münzprägung war nicht nur ein Ausdruck wirtschaftlicher Selbstversorgung. Auch künstlerische Elemente wurden oft integriert: So finden sich auf manchen Münzen Darstellungen des Heiligen Johannes, der Jungfrau Maria oder sogar Szenen aus dem Leben Christi und Aposteln – allesamt zentrale Themen für christliche Orden.
Zu den wichtigsten technischen Merkmalen gehörte auch die Verwendung von Edelmetallen wie Silber. Diese wurden oft mit einem bestimmten Reinheitsgrad prächtig geprägt: Das „Scudo" war meist aus hochreinem Silber gefertigt, während kleinere Münzen („Tarì") eher Kupferlegierungen enthielten.
Sammlern wird man eine Reihe von besonders interessanten und einzigartigen Numismaten empfehlen:
Nicht nur aufgrund ihres Alters können diese Stücke einen besonderen Reiz haben: Ihre Seltenheit oder historische Bedeutung ist oft höher als ihr aktueller Marktwert. Sammlern wird man die Suche nach solchen Stücken mit einem „historischen Auge" empfehlen: Wenn das Malteser-Rittertum an die Macht kam, hat es auch seine Münzen prächtig gestemmt – und diese sind heute noch in Auktionen oder Schätzen erhältlich.
Münzprägung ist mehr als nur der Ausdruck wirtschaftlicher Bedürfnisse: Sie spiegelt Kultur, Religion, Machtverhältnisse, Herrscherbilder und historische Leistungen wider. Das Malteser-Rittertum hat in seinen Münzen immer die christlichen Symbole des Ordens integriert – insbesondere den Heiligen Johannes.
Jede Währungsreform wurde oft politisch motiviert oder durch Änderungen der Verfassung bedingt: Als Beispiel für einen historischen Umbruch ist auch das Jahr 2014 (Ende eines bestimmten Ämterzyklus) interessant. Die Münzprägung diente dann nicht nur dem Handel, sondern auch als Repräsentation des Status Quo.
Auch wenn der Orden heute keine territoriale Souveränität besitzt: Seine Währungszeichen sind noch immer ein Symbol seiner Existenz im Völkerrecht. Für Sammler ist dies von besonderem Interesse:
Sobald man sich für das Thema „Malteserorden" interessiert, sollte man wissen: Der Orden hat eine enorme kulturelle Bedeutung als einer der drei Päpstlichen Ritterordens (neben dem Deutsen Orden und dem Johanniter-Orden). Seine Münzprägung ist ein Teil dieser einzigartigen Institution.
Sammlern wird geraten, sich für historische Schätze zu interessieren – auch wenn sie nicht immer teuer sind. Die historischen Skudos von Malta bieten eine gute Möglichkeit, einen Ausschnitt in die Geschichte des Ordens zu schauen:
Insgesamt bietet die Währung des Malteserordens eine faszinierende Reise durch mehrere Jahrhunderte. Sie spiegelt wider, wie ein Orden ohne Landeinsatz dennoch seine Souveränität bewahrte – zumindest solange er über sein eigenes Geld verfügte.